Ende und Neuanfang

Der Nieselregen hat irgendwann aufgehört. Und man kann trotz der Dunkelheit erkennen, das die Wolken den Sternen platz machen möchten. Aus den Lautsprechern kommt irgendein Lied, was ich nicht kenne. Es aber gerne tun würde. Es ist einer dieser Nächte, die so magisch sind. Es ist verrückt, dass die schönsten Gespräche allgemein immer nachts stattfinden. Aber manchmal ist es auch schön zu schweigen. Dieses Lied, was schön ist, ich aber nicht kenne und es wohl auch nie kennen werde, spielt. Immer noch. Und es ist perfekt. Ich bin glücklich. Für diesen Moment. Aber dieser Moment wird vorbeigehen. Ein paar Worte. Gedanken, die wir wechseln. Alles fühlt sich besonders an. Richtig. Lachen. Schweigen. Nachdenken. Realisieren. Hoffen. Genießen. Alles in den wenigen Minuten. Ein kurzer Blick. Ein Moment, der mir unglaublich lange vorkommt. Dann ist es vorbei. Dann spüre ich, wie die kalte Nachtluft mich umgibt.

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Wenn ich die Augen aufschlage, dann sehe ich, wie sich der Himmel durch die Morgensonne leicht rosa verfärbt. Nachts höre ich meistens den Regen auf meine Fenster prasseln. Schlafen klingt im Moment wie ein Fremdwort. Auf Spotify läuft Oasis auf und ab. Weil es passt. Weil ich gerade nichts anderes hören möchte und auch nicht kann. Songs, an denen Erinnerungen kleben. Erinnerungen, die stark sind, aber nicht so stark, dass ich sie nicht mehr ertrage. Verblasste Erinnerungen. Vielleicht auch ein paar Neue, die mich zum lächeln bringen, wenn ich es will. Ich bin glücklich. Aber manchmal darf man auch traurig sein.
Da, wo ich früher Bäume gesehen habe, wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich heute Häuser. Meine Tapete ist stellenweise eingerissen, wo alte Bilder und Zeichnungen klebten. Die löchrigen Stellen lassen nur noch erahnen, was es gewesen sein könnte. Auf meinem Schreibtisch sind in einer Ecke kleine Buchstaben geritzt und ein bisschen Fabe ist dort auch. Alles verblasste Erinnerungen.

Ich mache gerade mehr als in den letzte Jahren. Man kann sich zwar ein paar Tage verkriechen, jedoch muss man auch wieder rauskommen. Ich habe das Gefühl, etwas aufzutauen. Zu leben und vor allem zu erleben, auch wenn alles etwas ungewohnt und neu ist. Immer wenn etwas Neues kommt, endet auch etwas Altes. Und es ist noch etwas unreal und nicht immer einfach. Manchmal habe ich aber auch diese Tumblrmomente, von denen jeder träumt. Fragwürdige, aber schöne Sätze, Worte, Berührungen oder Blicke, die mich noch Tagelang zum grinsen bringen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich diese Momente ganz schön oft in letzter Zeit, aber auch nur deshalb, weil ich sie wieder zulasse und mich nicht dagegen wehre. Ich weiß nicht, ob alles immer richtig ist. Jedenfalls fühlt es sich so an. Und manchmal bricht meine Welt und will gar nicht mehr heilen. Wenn ich mir alte Bilder anschaue ist es besonders schlimm. Oder wenn mir Erinnerungen in die Hände fallen. Jedes Ende tut weh und jeder Neuanfang ist schwer. Und Prinz Pi sagt in seinem Song Glück, dass die neue Liebe dort beginnt, wo die alte aufhört weh zu tun. Und egal in welchen Zusammenhang man diesen Satz betrachtet, es stimmt vorne wie hinten.

1 Kommentar

  1. So ein schöner Post Anna :) Ich weiß nicht, was genau bei dir momentan los ist. Du sagst ja auf Instagram immer wieder dass man sich keine Sorgen machen muss und es dir gut geht. Das freut mein kleines Stalkerherz sehr. Ich liebe den Song von Prinz Pi und zitiere ihn sooo gern. Neue Liebe beginnt dort, wo die alte aufhört weh zu tun... So schön. Neuanfänge sind wertvolle Chancen. Im Nachhinhein bin ich für so viele Dinge dankbar, die ich losgelassen habe und noch viel schönere Dinge in mein Leben gekommen sind. Und klar, traurig sein ist auch mal vollkommen in Ordnung!

    Ganz liebe Grüße
    Alina

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